“Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr! “
Was haben Napoleon Bonaparte, Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven, Caspar David Friedrich und die Feuerwehr Bersenbrück gemeinsam? Sie lebten alle zur Gründungszeit unserer Feuerwehr.
Der Beginn
Die Feuerwehr Bersenbrück kann mittlerweile auf eine langjährige Geschichte zurückblicken.
So bestand bereits seit 1813 eine Pflichtfeuerwehr in Bersenbrück. Alle Männer vom 18. bis zum 55. Lebensjahr, wohnhaft in der Gemeinde, hatten in einem Brandfall mit Eimern und Einreißhaken zu erscheinen.
Im Jahre 1817 wurde dann eine erste Handdruckspritze beschafft, welche 64 Jahre lang im Dienst stand. Mit dieser handbetriebenen Pumpe war es damals noch nicht möglich, Wasser anzusaugen. Daher musste das Wasser mit ledernen Eimern zunächst in die Spritze geschüttet und dann zur Brandstelle gepumpt werden. Die Schläuche waren ebenfalls aus Leder. Beim Ausbruch eines Brandes wurde durch die Kirchenglocken und mit Brandhörnern alarmiert. Die Brandstelle wurde ebenfalls vom Kirchturm aus eingesehen. Zur Spritze gehörten 6 Männer als Löschgruppe. Den Leiter dieser Gruppe nannte man damals Spritzenmeister. Die Mannschaft erhielt bei einem Brandfall und Wassergeben pro Mann 3 Mark, bei einem Einsatz ohne Wassergeben 1,50 Mark.
1881 wurde schließlich eine zweite leistungsfähigere Spritze beschafft, bevor 1892 die dritte Spritze in Dienst gestellt wurde, welche die Leistung ihrer Vorgänger noch einmal übertraf:
“Bei der ersten Spritzenprobe war der Wasserstrahl so stark, dass er über das Kirchdach der katholischen Kirche ging” (Nach einem Bericht von Spritzenmeister Georg Brinkmann). Diese letzte Handdruckspritze der Feuerwehr Bersenbrück ist heute in einem kleinen Museum im Feuerwehrhaus ausgestellt.


Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
Im Jahre 1913 wurde schließlich die Freiwillige Feuerwehr Bersenbrück gegründet. Hierzu wurde am 28. Februar unter Anregung des Landrats Dr. Rothert eine Versammlung zwecks Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in das Hotel Kreke einberufen.
Das Protokoll dieser Versammlung, welches zugleich das Gründungsprotokoll ist, besagt Folgendes:
"Geschehen im Hotel Kreke in Bersenbrück am 28. Februar 1913. Zwecks Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr fand heute unter dem Vorsitz des Herrn Landrats Dr. Rothert eine sehr gut besuchte Versammlung statt. Die Gründung wurde beschlossen, ebenso die Statuten, auch fand die Einteilung der Wehr statt. Etwa 40 Mann verpflichteten sich zum Eintritt..”

Feuerwehr im 2. Weltkrieg
Ihr erstes motorisiertes Fahrzeug erhielt die Wehr dann im Jahre 1938 in Form eines gebrauchten 3-sitzigen Mercedes Personenwagen vom Typ "Nürburg", welcher einen Anhänger mit einer Motorspritze zog. Untergestellt war dieses Fahrzeug in einem kleinen Spritzenhaus an der heutigen Schulstraße.
4 Jahre später, im Jahre 1942, wurde die Ausstattung durch ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 mit Anhänger deutlich verbessert. während sich die ersten Jahre nach der Gründung der freiwilligen Feuerwehr als relativ ruhig erwiesen, änderte sich dieses in den Kriegsjahren ab 1942.
Die Bombardierungen führten zu vielen belastenden Einsätzen, bei welchen die Wehrleute zu überörtlichen Unterstützungsleistungen bis in das schwer getroffene Osnabrück ausrückten. Während dieser Zeit wurde im Saal Kreke eine Feuerwache eingerichtet. Nachts wurden die Feuerwehrleute zweistündig abgelöst und konnten auf Pritschen schlafen.
Beim Einmarsch der Alliierten wurde das LF 8 auf einem Bauernhof in Hastrup versteckt und konnte zu Kriegsende, nachdem die Feuerwehr vom englischen Kommandanten wieder aufgerufen wurde, in den Einsatzdienst zurückkehren. In den Folgejahren erhielt die Feuerwehr ein neues Domizil an der Gehrder Straße.

Nachkriegszeit
1952 wurde durch den mittlerweile ins Leben gerufenen Landkreis Bersenbrück ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 beschafft, welches sich heute wieder im Besitz der Feuerwehr befindet. Dieses Fahrzeug bewährte sich besonders bei vielen Wald und Moorbränden. 1960 stiftete der Fabrikant Fritz Hartmann der freiwilligen Feuerwehr einen VW-Bus mit einer kompletten Ausrüstung als TSF. Darüber hinaus verfügte die Feuerwehr bis in die neunziger Jahre hinein über eine Anhängeleiter AL 18.
1963 konnte die Freiwillige Feuerwehr schließlich ihr 50-jähriges Jubiläum feiern. In diesem Zuge wurde ein neues LF 8 vom Typ Mercedes-Benz in Dienst gestellt. Ebenfalls in diesem Jahr begann die Erweiterung des Feuerwehrhauses an der Gehrder Straße, in deren Zuge auch ein markant sichtbarer
Schlauchtrockenturm entstand. In die Erweiterungsbauten zog die Feuerwehrtechnische Zentrale des
Landkreises Bersenbrück ein.
Aufgrund der Enge der Räumlichkeiten an der Gehrder Straße, wurde 1974 ein neues Gerätehaus am Florianplatz gebaut. Die freigewordenen Räumlichkeiten an der Gehrder Straße wurden nun von der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) übernommen, deren Trägerschaft mittlerweile auf den 1972 entstandenen Landkreises Osnabrück übergegangen war.


Der Fortschritt der 70er
Im Laufe der 70er Jahre hatte sich das Einsatzspektrum der Feuerwehr bereits verändert. Während in der Vergangenheit der Einsatzschwerpunkt im Bereich der Brandeinsätze lag, traten technische Hilfeleistungen immer mehr in den Vordergrund. Hierzu gehörten insbesondere schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen. Reagiert wurde hierauf mit einer verbesserten Ausstattung des bereits 1968 beschafften Rüstwagens RW 2. Hierzu gehörten im Wesentlichen die hydraulischen Rettungsgeräte. Mit diesen verfügte man in Bersenbrück über lange Jahre hinweg über in der Region einmalige Rettungsmittel, die speziell in den ersten Jahren bei sehr vielen Einsätzen bis über die Grenzen des heutigen Landkreises Osnabrück hinaus eingesetzt wurden.
Weiterhin fanden dieser Zeit die ersten Feuerwehrlehrgänge statt. So absolvierten Feuerwehrleute aus der Samtgemeinde am 20.11.1974 den ersten Grundlehrgang in Bersenbrück. Einen weiteren Meilenstein stellte 1977 die Indienststellung des neuen TLF 16/25 dar. Dieses Fahrzeug war erstmalig in der modernen Frontlenkerbauweise aufgebaut. Zusammen mit diesem Fahrzeug konnten nun umluftunabhängige Atemschutzgeräte eingesetzt werden, was der Feuerwehr neue Möglichkeiten und Vorgehensweisen bei der Brandbekämpfung eröffnete.
Auch bei der Leitstellen- und Alarmierungstechnik brachten die 70er Jahre einige Neuerungen mit sich. Nachdem die Feuerwehren bisher über Telefon oder Sirene zu ihren Einsätzen gerufen wurden, begann im Landkreis Osnabrück Ende gegen Ende der 70er Jahre das Zeitalter der Funkmeldeempfänger.


1880 - 2000
Im Laufe der 80er Jahre führten die Einsatzerfahrungen dazu, dass sich die Feuerwehr mit einigen neuen Themen befassen musste. Der Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern gehörte hierzu und wurde von nun an in das Einsatzkonzept integriert. In diesem Zusammenhang erfolgte ebenfalls die Erweiterung der technischen Ausstattung des Rüstwagens z.B. mit Chemikalienschutzanzügen. Im Jahre 1989 wurde die Schlagkraft der Feuerwehr Bersenbrück weiter erhöht, indem das bisherige LF 8 durch ein neu angeschafftes LF 16/12 ersetzt wurde. 1992 wurde schließlich vom Landkreis Osnabrück ein Gerätewagen Gefahrgut bei der Feuerwehr Bersenbrück stationiert. Mit diesem Fahrzeug, welches heute in der zweiten Generation in Bersenbrück stationiert ist, wurde wenige Jahre später der Gefahrgutzug Nord der Feuerwehrbereitschaft Umweltschutz des Landkreises aufgestellt.
Weitere wichtige Meilensteine in den 90ger Jahren waren die Beschaffung des Tanklöschfahrzeugs ILF 24/50 sowie eines neuen Rüstwagens RW 2. Ferner wurde zur Sicherung des Nachwuchses im Jahre 1998 die Jugendfeuerwehr gegründet, was sich nach bereits kurzer Zeit als geglückte Investition in die Zukunft erwies.

Frühen 2000er
Im Jahre 2001 wurde der Fahrzeugpark durch einen Kommandowagen in Form eines VW Golf Variant erweitert. Dieses Fahrzeug wurde der Wehr durch ein örtlich ansässiges Stahlbauunternehmen gestiftet. Um der Feuerwehr weitere finanzielle Spielräume zu eröffnen, wurde im Jahre 2004 der Förderverein der Ortsfeuerwehr Stadt Bersenbrück gegründet. Notwendig geworden war dieses durch die immer knapper werdenden Zuweisungen von öffentlichen Mittel. So konnten durch den Förderverein dringend benötigte Ausrüstungsgegenstände, speziell im Bereich der Schutzkleidung beschafft werden. Beteiligt war der Förderverein auch an der Ausrüstung und am Ausbau des 2007 beschafften Mercedes Sprinter. Dieses Fahrzeug ersetzte den bislang eingesetzten VW Transporter. Die Anschaffung des neuen Tanklöschfahrzeuges TLF 16/25 stellte im Jahre 2011 einen Höhepunkt für die Freiwillige Feuerwehr Bersenbrück dar. Erste Vorgespräche fanden im Herbst 2009 statt. In diesem Zuge wurde ein Arbeitskreis zur Fahrzeugbeschaffung gegründet. Bei der Ausstattung dieses Fahrzeugs leistete der Förderverein wiederum einen erheblichen Anteil. Am 12. Oktober 2011 war es dann soweit: Das Tanklöschfahrzeug konnte abgeholt und nach Bersenbrück überführt werden.
Ebenfalls im Jahre 2011 wurde nach 10-jähriger Diskussion seitens der Samtgemeinde der Beschluss gefasst, das bestehende Feuerwehrhaus abzureißen und durch einen Neubau nach neuestem Stand der Technik zu ersetzen. Dieser Schritt war dringend erforderlich geworden, wurde jedoch seitens der Politik immer wieder zurückgestellt. Nach Beginn der Gründungsarbeiten fand am 5. März 2012 der erste Spatenstich statt. Für die Zeit der Bauarbeiten hatte die Wehr eine Übergangsdomizil im Gewerbegebiet West bezogen. Etwa 8 Monate später, am ersten November-Wochenende, fand die Bauzeit mit dem Einzug in das neue Haus ihr Ende und die Feuerwehr konnte das neue moderne Haus beziehen.
Während sich im Laufe der Zeit Aufgaben, Technik und Ausrüstung der Feuerwehr stark geändert haben, wurde der Idealismus und der Leitgedanke der Freiwilligen Feuerwehr aus der Gründerzeit heraus bis in die Gegenwart immer weitergetragen:
"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".







